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Leseschwäche - Rechtschreibschwäche
- Dyslexie - Legasthenie
1. Was ist eine
Lese-, Rechtschreibschwäche (Dyslexie; Legasthenie)?
2. Wie erkenne
ich, ob ein Kind eine Lese-, Rechtschreibschwäche (LRS) hat?
3. Wie häufig
ist eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)?
4. Sind Schwierigkeiten
beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens immer durch eine
LRS bedingt?
5. Bleiben die
Symptome einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) immer gleich?
6. Werden Schwierigkeiten
im Lesen und Schreiben im Laufe der Entwicklung überwunden?
7. Legasthenietraining




1. Was ist Lese-, Rechtschreibschwäche
(Dyslexie; Legasthenie)?
"Legasthenie" ist die Bezeichnung für
Schwächen beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechtschreiben,
die nicht durch Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung,
unzureichenden Unterricht oder negative soziale Einflußfaktoren
erklärbar sind. Mit der Lese- und Rechtschreibstörung
(ICD-10) können Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung,
der Motorik, der Seitendominanz und eine Beeinträchtigung des
Spracherwerbs zusammentreffen. Trotz regelmäßigem Schulbesuch
und ausreichendem Beherrschen der deutschen Sprache sind die betroffenen
Kinder nicht in der Lage, ausreichend Lesen und Rechtschreiben zu
erlernen.
Wesentlich ist, dass es kein einheitliches Erscheinungsbild der
Lese-, Rechtschreibschwäche gibt, sondern bei jedem Betroffenen
eine individuelle Ausprägung vorhanden ist. Somit kann ein
Training erst dann sinnvoll sein, wenn der individuelle Förderbedarf
festgestellt wurde. Sachgerechte Hilfe und frühzeitiges Erkennen
können mithelfen, dass die Betroffenen eine normale Schullaufbahn
erleben und Sekundärsymptome so weit wie möglich ausbleiben.
Verhaltensauffälligkeiten, die vielfach als
Konsequenz ständiger Misserfolgserfahrungen auftreten, müssen
berücksichtigt und eventuell eine psychologische Beratung zugezogen
werden. Zu Verhaltensproblemen gesellen sich meist auch Konzentrationsmangel,
Merkstörungen, Ablenkbarkeit, Bewegungsüberschuß
oder ein Mangel an Ausdauer. Hier ist es günstig Entspannungstechniken
zu erlernen und die Konzentrationsdauer zu erhöhen. Das zumeist
negative Selbstbild des "Legasthenikers" ist geprägt
von der Angst zu versagen. Ein verständisvoller Umgang, der
bei den Stärken des Betroffenen ansetzt und sich nicht an den
Fehlern orientiert ist deshalb Voraussetzung für eine effektive
Förderung.
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2. Wie erkenne ich, ob
ein Kind eine Lese-, Rechtschreibschwäche hat?
Es gibt sehr unterschiedliche Probleme, die auf
das Vorliegen einer Lese-, Rechtschreibschwäche hinweisen können.
Im Vordergrund stehen Probleme beim Verschriftlichen von Wörtern
und Erlesen von einzelnen Buchstaben und Wörtern.
Beim Rechtschreiben in den ersten drei Schuljahren
haben die Kinder große Schwierigkeiten, einzelne Buchstaben
zu unterscheiden und zu schreiben. Trotz Unterstützung fällt
es den Kindern besonders schwer, für das gehörte Wort
die richtigen Buchstaben zu finden. Einzelne Buchstaben werden weggelassen
oder auch zusätzlich eingefügt. Zum Beispiel wird anstatt
"Haus" nur "Has" geschrieben, anstatt "Sonne"
nur "Sne". Zum Teil werden nur Wortruinen verschriftlicht.
Auch das Abschreiben aus einem Buch oder von der Tafel gelingt nicht
fehlerfrei. Zusätzlich ist oft die Handschrift unleserlich.
Beim Lesen fällt es den Kindern schwer, die
einzelnen Laute zu verbinden. Zum Beispiel wird beim Wort Sonne
nur der Anfang "So" lautiert, das Zusammenfügen mit
den nachfolgenden Lauten mißlingt jedoch. Insgesamt ist die
Lesegeschwindigkeit erheblich herabgesetzt, einzelne Wörter
werden mit großer Mühe nacheinander gelesen und der Sinn
des Satzes wird häufig nicht verstanden.
Bei einzelnen Kindern fallen die Rechtschreibprobleme erst auf,
wenn in der Schule ungeübte Diktate geschrieben werden.
In der dritten und vierten Klasse treten zusätzlich
zu den Schwierigkeiten im Fach Deutsch Schwierigkeiten in anderen
Fächern auf. Da für fast alle Fächer das Lesen Grundlage
für den Wissenserwerb darstellt, sind diese Kinder in allen
Schulfächern benachteiligt. Dies führt manchmal dazu,
dass Kinder als dumm bezeichnet werden und das allgemeine Leistungsversagen
auf mangelnde kognitive Fähigkeiten zurückgeführt
wird. Dass der Hintergrund für die Schulschwierigkeiten eine
LRS ist, kann erst durch eine eingehende Diagnostik festgestellt
werden.
Die Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben
fallen auch bei den Hausaufgaben auf. Dies führt nicht selten
dazu, dass verstärkt geübt wird. Obwohl seitens des Kindes
und der Eltern viel Zeit und Mühe für das Üben aufgewandt
wird, macht das Kind nur geringe, teilweise auch gar keine Fortschritte.
Dies führt oft zu Spannungen zwischen den Eltern und dem Kind,
da auf beiden Seiten schuldhaftes Versagen vermutet wird. In Folge
dieser Entwicklung entstehen psychische Probleme beim Kind in Form
von Ängsten, Traurigkeit, Herumkaspern und zum Teil sogar aggressivem
Verhalten.
Diese emotionalen Probleme und Verhaltensschwierigkeiten
sind gerade bei Kindern mit LRS in der dritten und vierten Klasse
häufig erst der Auslöser für eine eingehende Untersuchung.
Wenn das Kind grössere Schwierigkeiten
beim Erlernen des Lesens zeigt, wenn es später beim Lesen immer
noch sehr unsicher ist und/ oder die Rechtschreibung erheblich unter
dem Durchschnitt liegt, kann es sich um Legasthenie handeln. Dabei
ist nicht ausschlaggebend, ob die Leistungen in den übrigen
Fächern und im Rechnen durchschnittlich oder besser sind. Auch
diese Leistungen können durch die legasthenischen Störungen
und ihre Auswirkungen bereits beeinträchtigt sein.
Folgende Symptome können darauf hinweisen, dass ein Kind förderungsbedürftige
Schwierigkeiten im Bereich des Lesens oder Rechtschreibens hat.
An eine LRS ist nicht nur bei Kindern mit einem
spezifischen Versagen im Deutschunterricht zu denken. Schwierigkeiten,
schriftlich gestellte Aufgaben zu erfassen (z. B. Textaufgaben in
Mathematik) bzw. schriftliche Ausarbeitungen anzufertigen, können
zu Schulproblemen in praktisch allen Fächern führen. Somit
ist auch bei einem allgemeinen Schulversagen eine LRS in Erwägung
zu ziehen und diese als Ursache auszuschließen.
Allerdings fallen nicht selten LRS-Kinder zuerst durch psychische
Probleme (Versagensangst, mangelndes Selbstwertgefühl, Traurigkeit),
Störungen des Sozialverhaltens (Wutanfälle, Aggressionen)
oder psychosomatische Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen,
Kopfschmerzen an Schultagen) auf, die Folge ständiger Misserfolgserlebnisse
in der Schule sein können. Eine LRS muss somit auch bei Kindern,
bei denen derartige Beschwerden im Vordergrund stehen, berücksichtigt
werden.
Eventuelle frühkindliche Anzeichen:
verspäteter Sprachbeginn;
Sprachfehler (oftmals vorübergehend);
Artikulationsschwäche;
mangelnde Auge-Hand-Koordination;
Schwierigkeiten sich auf neue Situationen einzustellen;
Aufmerksamkeitsschwäche.
Mögliche Anzeichen im Schulalter:
Lesen
Große Fehlerhäufigkeit beim lauten Vorlesen
undeutliche, verwaschene Aussprache;
große Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen und Schreiben;
sehr langsames, fehlerhaftes Lesen;
Häufige Selbstkorrektur
Auslassen von Vokalen und Endsilben;
Buchstaben können kaum zu Wörtern zusammengezogen werden;
Mühsames Erlesen von Buchstaben, Silben oder ganzen Wörtern
Wörter im Text werden nur aus dem Sinnzusammenhang erraten;
Sinnverständnis von gelesenen Texten fällt schwer
Abwehrhaltung zum Lesen
Rechtschreibung
Vermeidungsverhalten
Viele Fehler beim Abschreiben
Viele Fehler beim freien Schreiben
für Schreibarbeiten wird überdurchschnittlich lange
gebraucht;
Probleme beim Niederschreiben mündlicher Anweisungen;
häufige Verwechslung ähnlicher Wörter und Buchstaben.
Verwechslung ähnlicher Buchstaben (z.B. b / d) im visuellen
Bereich
Verwechslung ähnlicher Buchstaben (z.B. ö / ü;
g / k) im auditiven Bereich
Auslassen von Buchstaben, Wortteilen oder Satzteilen
Vertauschung der Reihenfolge von Buchstaben
Texte sind weitgehend unlesbar
Verhalten
Schulangst
Geringes Selbstwertgefühl
Aggressivität
Überzogenes Verhalten (Klassenclown)
Konzentrationsprobleme
Merkstörungen (z.B. Schwierigkeiten
im Erinnern von Reihenfolgen)
Einnässen
Motivationslosigkeit
Psychosomatische Beschwerden (z.B. morgendliche Übelkeit,
Bauchschschmerzen etc., besonders vor Dikateten )
Hat Mühe, sich an Abmachungen zu halten.
Motorik
Hyperaktivität
Verkrampfte Schreibhaltung
Undeutliches Schriftbild, Schwierigkeiten beim Einhalten der Ränder
und Linien
Motorische Unruhe oder Passivität
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3. Wie häufig ist
eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)?
Bei ca. 4 % aller Kinder tritt eine LRS auf. Jungen
sind etwa 3-mal häufiger als Mädchen betroffen. Das Verhältnis
von Jungen zu Mädchen wird mit 3-4:1 angegeben.
Eine LRS ist nicht auf das Kindesalter beschränkt, sondern
auch noch im Erwachsenenalter von Bedeutung. Nach Haffner et al.
(1998) erreichen 4 % aller deutschen jungen Erwachsenen nur ein
durchschnittliches Rechtschreibniveau von Viertklässlern.
Eine LRS kommt in allen bekannten alphabetischen Sprachen vor. Durch
die Verschiedenheit der Schulsysteme in einzelnen Kulturen sind
Ergebnisse von Untersuchungen in unterschiedlichen Ländern
schwer miteinander zu vergleichen.
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4.
Sind Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens
immer durch eine LRS bedingt?
Eine Lese-Rechtschreibstörung ist nur eine
von vielen möglichen Ursachen für Schwierigkeiten beim
Erwerb der Schriftsprache. Bevor mit einer spezifischen LRS-Therapie
begonnen wird, muss deshalb erst ausgeschlossen werden, dass die
Schulprobleme durch andere Ursachen bedingt sind.
Wenn Probleme beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens auftreten,
ist insbesondere an folgende Möglichkeiten zu denken:
Allgemeine Lernschwäche
Konzentrationsstörung
Unzureichender Unterricht
Ungenügende Förderung durch das Elternhaus
Konflikte (so dass sich das Kind nicht ausreichend auf das Lernen
konzentrieren kann)
innerhalb der Schule (z. B. mit Mitschülern oder Lehrern)
familiäre Konflikte
Störungen des Sozialverhaltens mit unzureichender Lernmotivation
Sehstörungen
Hörstörungen
Mit einer verminderten Belastbarkeit einhergehende chronische
Erkrankungen
Spezifische neurologische oder psychiatrische Erkrankungen
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5.
Bleiben die Symptome einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
immer gleich?
Die Symptome einer LRS ändern sich im Laufe der Zeit. Im Vorschulalter
zeigen viele der späteren LRS-Kinder eine Sprachentwicklungsstörung.
Im frühen Schulalter stehen Lesestörungen und Probleme
beim lautgetreuen Schreiben im Vordergrund. Im späteren Schulalter
und im Erwachsenenalter ist eine Rechtschreibstörung am ausgeprägtesten.
Unter den späteren Rechtschreibfehlern dominieren Regelfehler
(z. B. Groß-/Kleinschreibung, Dehnungsfehler) und Fehler durch
ein Nichtbeachten von Ausnahmen.
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6.
Werden Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben im Laufe der Entwicklung
überwunden?
Zu Beginn der Schullaufbahn ist der weitere Verlauf
einer LRS hinsichtlich der Lese- und Rechtschreibleistungen noch
nicht sicher vorherzusagen. Etwa ein Drittel der Kinder, die in
der 1. bzw. 2. Klasse erhebliche Probleme beim Erwerb der Schriftsprache
zeigen, holen den Rückstand relativ schnell auf (Spätstarter).
Kinder bei denen auch noch in der 3. Klasse ein deutlicher Rückstand
zu beobachten ist, haben in der Regel bis ins Erwachsenenalter hinein
Schwierigkeiten mit der Schriftsprache. Die Entwicklung von Leseleistung,
Leseverständnis und Rechtschreibfähigkeit verläuft
allerdings unterschiedlich.
Leseleistung:
Hinsichtlich der Fähigkeit, laut
zu lesen, erreichen LRS-Kinder in der Regel relativ gute Fortschritte.
Diese sind insbesondere dadurch bedingt, dass sie sich das gesamte
Wortbild einprägen und viele Wörter aus dem Sinnzusammenhang
erraten, statt sie zu erlesen. Das exakte, buchstabengetreue Lesen
hingegen fällt meist bis ins Erwachsenenalter hinein schwer,
so dass unbekannte Wörter nur mühsam gelesen werden. Eine
Überprüfung der Lesefähigkeit jenseits des Grundschulalters
erfolgt deshalb am zuverlässigsten mit Pseudowörtern bzw.
Pseudotexten.
Leseverständnis:
Das Leseverständnis zeigt meist eine
sehr gute Besserungstendenz, so dass bei vielen Erwachsenen mit
einer LRS keine nennenswerten Beeinträchtigungen im Leseverständnis
mehr nachweisbar sind.
Rechtschreibfähigkeit:
Im späteren Schulalter und im Erwachsenenalter
stehen Rechtschreibschwierigkeiten im Vordergrund. Obwohl auch LRS-Kinder
durch ein gezieltes Training und ein häufiges Üben ihre
Rechtschreibfähigkeiten im Laufe der Jahre deutlich verbessern,
erreichen sie nicht die Leistungen von Kindern ohne eine Lese-Rechtschreibstörung.
Da die anderen Kinder schneller hinzulernen, wird bei vielen LRS-Kindern
der Abstand zu Gleichaltrigen im Laufe der Schuljahre sogar immer
größer.
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7.
LRS-Training
Da das Erscheinungsbild der Legasthenie nicht einheitlich
ist kann nur ein individuell angepasstes Training effektiv sein.
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