PSYCHOLOGISCHES ZENTRUM
LEIBNITZ, KALSDORF, LIEZEN, BRUCK
Mag. Dr. Inge Unterleitner
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Welche Essstörungen gibt es?


Essstörungen äußern sich durch ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper. Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen, wobei Mischformen am häufigsten und die Übergänge gleitend sind. Magersucht, Bulimie und Binge Eating sind die am häufigsten vorkommenden Essstörungen.

Eß-Brechsüchtige sind in der Regel normalgewichtig, dennoch sind sie davon überzeugt, "zu dick" zu sein. Diese Situation erscheint zunächst nicht besonders problematisch. Sie wird es dadurch, daß die Betroffenen einerseits unfähig sind, ihre strengen Diätplänen einzuhalten, und andererseits auf jede Abweichung von diesen Plänen mit Angst und noch strengeren Diätvorhaben reagieren, die erneut scheitern. Die Betroffenen meinen endlich einen Ausweg gefunden zu haben, indem sie zugeführte Nahrung erbrechen, oder aber abführende Mittel einsetzen. Allerdings bleibt die erhoffte Gewichtsabnahme aus, da die Betroffenen zunehmend mehr essen. Essen und erbrechen heißt jetzt der Teufelskreis. Ihrer Angst vor einer Gewichtszunahme zu entgehen versuchen sie durch erbrechen auszugleichen. Die darauf einsetzenden Schuld-und Schamgefühl führen zu erneuten Spannungen und Unruhe. Sobald erbrochen wurde ist der Weg frei zum nächsten Eßanfall. Bulimie ist eine zerstörerische Sucht, die oft schleichend beginnt. Viele Betroffene leiden im Laufe ihrer Krankheit auch immer stärker unter Ängsten, depressiven Störungen und Zwängen. Das Selbstwertgefühl sinkt immer tiefer, was häufig auch noch eine langsam wachsende soziale Isolation nach sich zieht. Das Leben erscheint dann sinnlos. Diese Probleme können in tragischen Fällen solche Depressionen auslösen, die dann zum Selbstmord führen können. Eine Möglichkeit aus diesem Strudel von Eßstörung und Depressionen herauszufinden ist, sich so schnell wie möglich therapeutische Hilfe zu suchen.

 

Magersucht (Anorexia nervosa)

Magersucht ist eine Erkrankung, meistens von Mädchen und jungen Frauen, aber auch immer häufiger von Jungen und jungen Männern, bei denen das Selbstbild und Körperempfinden gestört ist und der Gewichtsverlust zum Inhalt des Denkens und Handelns wird. Die Betroffenen empfinden sich "als zu dick", auch wenn sie erhebliches Untergewicht aufweisen. Häufig ist Magersucht gepaart mit hohem Leistungsdenken auf verschiedenen Ebenen des Lebens.

Bulimie (Bulimia nervosa)

Bulimie ist durch wiederholte Attacken von Heißhunger ("Fressattacken"), gefolgt von selbst herbeigeführtem Erbrechen gekennzeichnet. In aller Regel spielen sich solche Attacken in aller Heimlichkeit ab. Ein tiefes Schamgefühl nach einer Fress-/Brechattacke ist ein wesentlicher Grund, die Erkrankung auch vor den besten Freunden zu verstecken. Ein weiteres Kennzeichen für die Bulimie ist die fast permanente Beschäftigung der Betroffenen mit allem, was mit Essen, Kalorien, Körpergewicht, Diät und Figur etc. zu tun hat. Bulimische Menschen können unter-, normal- oder auch übergewichtig sein, sie haben jedoch meist ein sehr schlankes Körperideal.

Binge Eating

Wie bei der Bulimie äußert sich Binge Eating durch wiederholte Heißhungerattacken und Essanfälle, allerdings ohne anschließendes Erbrechen oder den Mißbrauch von Abführmitteln. Der Kontrollverlust während der Essanfälle und die anschließenden Schuldgefühle sind ebenso typisch. Die Essanfälle werden oft durch persönliche Stresssituationen ausgelöst.

Adipositas - Übergewicht

Äußerlich kennzeichnet die Betroffenen ihr Übergewicht. Aber: Nicht jede oder jeder Übergewichtige ist eßsüchtig!

Übergewichtige, die an einer Eßsucht leiden, schämen sich ihres mäßig oder massiv übergewichtigen Körpers. Eßsüchtige mit Übergewicht waren häufig schon als Kind leicht bis mäßig übergewichtig. Auch sie träumen davon, schlank zu sein, und bemühen sich immer wieder (erfolglos) um ein gezügelteres Eßverhalten. Zugleich sind die Betroffenen stets bemüht, den Zusammenhang zwischen ihrem Eßverhalten und ihrem Gewicht herunterzuspielen. Viele essen in der Öffentlichkeit nur kleinste Portionen. Typisch ist eine große Bewegungsunlust. Sie resultiert aus der Angst sich lächerlich zu machen, und kommt dem Wunsch entgegen, mit dem verhaßten Körper möglichst wenig Kontakt zu haben. Die psychischen Belastungen für die Betroffenen sind ernorm. "Dicke" gelten nicht nur als faul, träge, unattraktiv und unbeherrscht, sondern auch als weniger intelligent und weniger leistungsfähig. Zudem wird ihnen vorgeworfen, selbst Schuld an ihrem Unglück zu tragen. So wundert es nicht, daß Übergewichtige unter Hemmungen, Kontaktschwierigkeiten und Minderwertigkeitsgefühlen leiden. Essen wird zur einzigen Freude und zum einzigen Trost. Der Teufelskreis schließt sich.