PSYCHOLOGISCHES ZENTRUM
LEIBNITZ, KALSDORF, LIEZEN, BRUCK
Mag. Dr. Inge Unterleitner
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Dyskalkulie - Rechenschwäche

1. Dyskalkulie - Rechenschwäche

2. Was ist Dyskalkulie?

3. Wie verbreitet ist Dyskalkulie?

4. Anzeichen für eine Dyskalkulie

5. Lernschwierigkeiten und Selbstwertgefühl

 

 

 

 

 





1. Dyskalkulie - Rechenschwäche

Wie der Lese-, Rechtschreibschwäche, so liegen auch der Dyskalkulie Defizite in den einzelnen Bereichen der Sinneswahrnehmungen zugrunde. Wobei aber die Wörter Schwäche oder Störung, gar Behinderung oder Krankheit wirklich nur bedingt anwendbar sind. Oftmals wird die Dyskalkulie auch als eine Rechenschwäche bezeichnet, was nicht ganz korrekt ist. Es gibt nämlich Kinder, die tatsächlich rechenschwach sind, aber keine Dyskalkulie haben. Eine Rechenschwäche kann auch durch mangelnde Intelligenz, mangelhafte Beschulung, schwerwiegende Ereignisse im Leben des Kindes, welche psychische Probleme hervorrufen und viele andere Ursachen mehr hervorgerufen, also erworben werden. Die Dyskalkulie, auch anlagebedingt im Kind vorhanden, sollte man als einen völlig anderen Zugang zu der Rechenmaterie sehen, als ihn Kinder haben, die keine Dyskalkulie aufweisen.

Die Kinder haben meist wenig Beziehung zu Zahlen, Zahlenräumen, zur Zeit, zum Raum und zu Maßen oder Größen, Distanzen. Kinder mit einer Dyskalkulie ergehen sich in sogenannte subjektive Algorithmen, sie entwickeln eigene Verfahrensweisen, die aber nicht immer zu einem richtigen Ergebnis führen. Das führt auch dazu, dass sehr widersprüchliche Ergebnisse kritiklos hingenommen werden.

Durch die differenzierten Sinneswahrnehmungen kommt es zu einer zeitweise auftretenden Unaufmerksamkeit, wenn das Kind mit Zahlen hantiert. Dies ist bei Kindern mit einer Dyskalkulie gut zu beobachten. Die Fehlersymptomatik, in Form von Zahlenverwechslungen, Zahlenstürzen, Umkehrungen und vieles andere mehr, wird sichtbar. Die Fehler sind aber nur die Folgeerscheinungen der differenzierten Wahrnehmung und der Unaufmerksamkeit. Deshalb ist es bei einer Dyskalkulie wie bei einer Lese,-Rechtschreibschwäche genauso wenig zielführend nur die Symptomatik zu bekämpfen, sprich nur an den Fehlern zu arbeiten.

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2. Was ist Dyskalkulie?

Von Dyskalkulie spricht man, wenn anhaltende Schwierigkeiten im Erfassen rechnerischer Sachverhalte, im Umgang mit Zahlen, der Orientierung im Zahlenraum und in der Bewältigung von Rechentechniken vorliegen, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung (intelligenzunabhängig) oder eine unangemessene Beschulung erklärbar sind. Die Schwierigkeiten betreffen vor allem die grundlegenden Rechenfertigkeiten (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division) und weniger die abstrakteren mathematischen Fertigkeiten, die etwa für Algebra, Trigonometrie und Geometrie benötigt werden. Weiters treten Probleme bei der Orientierung (den Kunstraum, die Seite im Buch finden), beim erkennen von Aufgabenstrukturen (unterscheiden zwischen Thema, Aufgabe, Arbeitsanweisung) und beim erfassen und durchblicken von Situationen auf. Durch mangelnde Strukturierungs- und Ordnungfähigkeiten müssen zu viele Einzelheiten gemerkt werden, womit das Gedächtnis überfordert wird (Gedächtnisprobleme).

Häufig wird Dyskalkulie aus Unkenntnis überhaupt nicht erkannt, wenn doch, typischerweise in der 3. oder 4. Klasse.

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3. Wie verbreitet ist Dyskalkulie?

Verschiedenen Untersuchungen zufolge sind ca. 10 bis 15% der Kinder von Dyskalkulie betroffen.

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4. Anzeichen für eine Dyskalkulie

Allgemeine Anzeichen für eine Dyskalkulie

Diese Kinder haben im logisch-abstrakten Vorstellungsvermögen auffällige Schwierigkeiten.
Im Alltag bereitet es ihnen beispielsweise Mühe, mit Mengen umzugehen:

Wieviel hat in meinem Glas Platz?
Wieviel Besteck brauche ich beim Tisch decken?
Wie teile ich mein Taschengeld ein?

Begriffe wie gestern - heute - morgen sind schwer erfaßbar.
Zeitliche Abmachungen werden oft nicht eingehalten. Es ist auch eine Vorausplanung ist nur selten möglich.

Merkmale in der Schule

Probleme mit der Orientierung im Zahlenraum
Was ist grösser/ kleiner, vorher/ nachher, oben/ unten, links/ rechts?
Ständiges Verlieren von erlernten Zahlenstrukturen.
Sie müssen sich die Ergebnisse immer neu errechnen.
Sie vergessen die Lösungswege.
Große Probleme beim Zehnerübergang und dem Dezimalsystem.
Sie verwechseln Zehner und Einer, behandeln alle Ziffern einer Zahl wie eine Einerzahl, unabhängig davon, an welcher Stelle sie steht.
Die Basisoperationen werden schwer verstanden und häufig verwechselt (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division)
Die Basisoperationen wurden nicht oder nur schwer automatisiert.
Es fällt schwer ein Resultat / eine Grössenbeziehung abzuschätzen.

 

Häufige Sekundärsymptome der Dyskalkulie (nach Ramacher-Faasen)

Konzentrationsstörungen
starke Ablenkbarkeit
Vermeidungsverhalten
Nervosität
Wutausbrüche und/oder Aggressivität
psychosomatische Beschwerden (Bauch-, Kopfschmerzen, Übelkeit, Einnässen usw.)
leichte Ermüdbarkeit, kein Durchhaltevermögen
Anpassungsprobleme (z.B. in der Schule)
Schulunlust/Schulangst
mangelndes Selbstwertgefühl
Introvertiertheit (Kind zieht sich zurück)
Kontaktprobleme mit Gleichaltrigen
"Klassenkasper" spielen
unordentlich wirkende Arbeitsweise
häufiges Wiederholen und Erfragen von Aufträgen
"Überhören" von Aufträgen
langsame, unkonzentrierte Arbeitsweise
verlangsamtes Reagieren
stundenlanges Arbeiten an den Hausaufgaben

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4. Lernschwierigkeiten und Selbstwertgefühl

In erster Linie ist es von Bedeutung, das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken und ihm dazu zu verhelfen, seine Schwäche als etwas Normales begreifen und akzeptieren zu können. Weiterhin ist es wichtig, das die Beziehung des Kindes zu den Eltern bzw. Lehrern sich nicht nur auf erbrachte Leistung stützt, sondern dass das Kind unabhängig davon positive Zuwendung erhält und nicht unter Druck gesetzt wird.

Erst wenn das Selbstwertgefühl gestärkt ist und das Kind eine von der Leistung unabhängige gute Beziehung zu Eltern und Lehrern hat, macht es Sinn, ihm Fähigkeiten anzutrainieren, in denen es Schwächen zeigt. Wenn diese wichtige Voraussetzung nicht gegeben ist, werden Problemschüler die zusätzlichen Förderangebote lediglich als Benachteiligung oder Bestrafung erleben, sie deshalb nicht annehmen und daher auch keine Fortschritte machen.

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