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Depression
1. Was ist eine Depression?
2. Krankheitsbild und Formen der
endogenen Depression
3. Was unterscheidet eine
Depression von einer normalen Trauerreaktion?
4. Woran erkennt man eine Depression?
5. Was bedeutet Suizidgefahr?
6. Depression und verschiedene
Faktoren
6.1 Depression
und Geschlecht
6.2 Depression und Alter
6.3 Depression
und Kindheit und Jugend
6.4 Depression und Veranlagung
6.5 Depression
und Wetter
7. Volkskrankheit




1. Was ist eine Depression?
Wir alle kennen Phasen der inneren Erschöpfung
und der Verzagtheit. Solche Phasen können durch viele Ereignisse
ausgelöst werden. Der Verlust eines Partners, berufliche Erfolglosigkeit
oder eine private Enttäuschung können so belastend sein,
dass sie alle anderen Bereiche des Lebens negativ beeinflussen.
Aus der Sicht eines Arztes muss es sich dabei nicht um eine Depression
handeln. Es kann auch sein, dass Trauer und Mutlosigkeit Reaktionen
unserer Psyche auf diese Lebensprobleme sind. In einem solchen Fall
ist die Lebenskrise, das Stimmungstief, eng mit dem Lebensproblem
verbunden, das sie ausgelöst hat. Sobald der Verlustschmerz
oder die Überlastung nachlässt, hellt sich die Stimmung
wieder auf (reaktive Depression).
Eine Depression im medizinischen Sinn ist jedoch
etwas anderes: eine behandlungsbedürftige, psychiatrische Erkrankung.
Wer an einer Depression erkrankt ist, kann sich nicht mehr aus eigener
Kraft aus der gedrückten Stimmung befreien. Aufforderungen
wie "Nimm Dich zusammen" oder "Mach' doch mal Urlaub"
helfen nicht weiter. Eine Depression kann, wenn sie nicht richtig
behandelt wird, Monate oder sogar Jahre andauern (endogene Depression).
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2. Krankheitsbild und Formen
der endogenen Depression
Depressive Erkrankungen verlaufen meist in Phasen,
die über mehrere Monate, bei einigen Patienten auch über
Jahre anhalten können.
Unipolare Depression:
Die meisten Menschen, die an einer Depression
erkranken, erleiden in ihrem Leben mehr als eine depressive Episode.
Derartige Episoden dauern unter Umständen Wochen, manchmal
auch Monate, insbesondere dann, wenn die Patienten nicht konsequent
behandelt werden. Treten nur depressive Episoden auf, so spricht
man von einer unipolaren Depression.
Bipolare affektive Störung:
Manche Patienten erleiden nicht nur depressive,
sondern auch manische Episoden. Manische Episoden sind gekennzeichnet
durch einen unbändigen Tatendrang, meist gehobene Stimmung,
fehlendes Schlafbedürfnis, Größenideen, häufig
auch durch Kaufrausch. In diesen Fällen spricht man von einer
bipolaren affektiven Störung.
Depressive Episoden im Rahmen unipolarer und bipolarer
affektiver Störungen gehören zu den wichtigsten Depressions-Diagnosen.
Depressive Erkrankungen können jedoch auch im Rahmen körperlicher
Erkrankungen, z. B. von Schilddrüsenfunktionsstörungen,
oder in Verbindung mit bestimmten Medikamenten auftreten.
Die depressiven Episoden können Wochen, Monate
und unbehandelt manchmal auch Jahre anhalten. Gerade bei lang dauernden
Phasen besteht die große Gefahr, dass sich ein Gewöhnungsprozess
bei den Angehörigen und auch dem Patienten selbst einstellt
und die Beschwerden nicht als Ausdruck einer Erkrankung, sondern
der Persönlichkeit oder der Lebensumstände des Patienten
angesehen werden.
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3. Was unterscheidet
eine Depression von einer normalen Trauerreaktion?
Die Symptome einer Depression lassen sich nicht
mit einigen Worten zusammenfassen. Es gibt kein einheitliches Erscheinungsbild
dieser Erkrankung. Zwei Menschen, die an einer Depression erkrankt
sind, können unter sehr unterschiedlichen Symptomen leiden.
Eine Depression ähnelt in einigen Anzeichen einer "normalen"
Trauerreaktion. Der Betroffene ist mutlos, verspürt eine tiefe
Leere oder Traurigkeit. Beschäftigungen, denen er früher
gerne nachging, machen ihm jetzt keine Freude mehr, er vernachlässigt
Hobbys und andere Freizeitaktivitäten. Es gibt jedoch einige
Anzeichen, die eine Depression von einer Trauerreaktion unterscheiden.
Trauer "ohne" Grund:
Im Gegensatz zu einer depressiven Erkrankung sind
Phasen der Trauer im allgemeinen nach einigen Tagen, Wochen oder
Monaten überwunden. Eine unbehandelte Depression hingegen
zieht sich häufig über einen langen Zeitraum hin; oft
dauert sie solange, dass man sie schließlich nicht mehr
auf ein belastendes Ereignis zurückführen kann. Außerdem
kann eine Depression auch ohne ein äußeres Ereignis
auftreten.
Keine Aufheiterbarkeit:
Im Unterschied zu Menschen, die einfach traurig
sind, ohne dabei im medizinischen Sinn krank zu sein, lässt
sich ein Mensch, der an einer Depression leidet, in der Regel
nicht von seinen Empfindungen ablenken. Im Kreise von Freunden
oder im Urlaub wird ihre Stimmung nicht besser, oft sogar noch
gedrückter.
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4. Woran erkennt man
eine Depression?
Im folgenden werden die wichtigsten Anzeichen aufgeführt,
die auf eine Depression schließen lassen. Es ist jedoch wichtig
zu wissen, dass sich eine Depression auf sehr unterschiedliche Art
und Weise äußern kann. Außerdem können viele
der unten aufgeführten Beschwerden auch durch andere Erkrankungen
verursacht werden.
Traurige Stimmung:
Im Vordergrund der Beschwerden steht meist das
Gefühl der tiefen Traurigkeit und der Freudlosigkeit. Der
Erkrankte fühlt sich niedergeschlagen und mutlos; die Stimmung
ist getrübt. Manche Betroffene berichten auch von einem "Gefühl
der Gefühllosigkeit" oder von einer inneren Leere. Zu
dieser Trauer tritt eine Hoffnungslosigkeit. Der Erkrankte glaubt,
dass er keine Zukunft mehr hat und dass er an seiner Situation
nichts mehr ändern kann.
Störungen des Antriebs
und der Entscheidungsfähigkeit:
Wer von einer Depression betroffen ist, kann sich
oft zu nichts mehr entschließen; selbst einfache Verrichtungen
machen ihm große Mühe. Der Erkrankte kann sich nicht
entscheiden, was er tun möchte, wägt endlos ab, ohne
zu einem Ergebnis zu kommen. Dies läßt sich manchmal
auch an seinem Gesichtsausdruck und seinen Bewegungen erkennen.
Die Augen strahlen nicht mehr, das Gesicht wirkt wie versteinert.
Die Bewegungen mancher Depressiven wirken eingeschränkt und
kraftlos. Man kann dem Erkrankten sein Leid förmlich ansehen.
Man spricht hier von einer Verarmung von Mimik und Motorik.
Konzentrationsstörungen:
Vielen Erkrankten fällt es sehr schwer, sich
auf etwas zu konzentrieren. Ihre Arbeit strengt sie übermäßig
an, sie fühlen sich von Aufgaben überfordert, die sie
früher ohne Probleme erledigt haben. Viele Betroffene berichten
auch von einem "Kreisen" der Gedanken. Es fällt
ihnen schwer, sich von einigen wenigen Überlegungen zu lösen,
über die sie immer wieder nachgrübeln müssen.
Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle:
Wer an einer Depression leidet, glaubt meist,
dass er in irgendeiner Form selbst an seiner Erkrankung schuld
ist. Das Leiden wird nicht als Folge einer Erkrankung gesehen,
sondern als Konsequenz des eigenen Versagens. Außerdem quälen
ihn oft unangebrachte Schuldgefühle: Z.B. finden viele Betroffene
ihre eigene Energielosigkeit unverzeihlich oder machen sich Vorwürfe,
weil sie ihre täglichen Aufgaben nicht mehr erfüllen
oder hinter ihren selbstgesteckten Zielen zurückbleiben.
Diese Schuldgefühle können sich bis zu einem Wahn steigern,
in dem der Betroffene annimmt, dass seine Erkrankung eine Strafe
für vergangene Versündigungen sei.
Schlafstörungen:
Bei vielen Erkrankten kommt es während einer
Depression zu Schlafstörungen. Sie wachen oft auf oder können
erst gar nicht einschlafen. Andere leiden unter einem stark erhöhten
Schlafbedürfnis. So schlafen einige Depressive wesentlich
länger als sonst und fühlen sich trotzdem nicht erholt.
Die meisten liegen trotz Müdigkeit lange wach oder wachen
schon in den frühesten Morgenstunden von selbst auf.
Angst:
Eine Depression wird häufig von Ängsten
begleitet. Der Betroffene wird zum Beispiel von dem ständigen,
unbegründeten Gefühl gequält, er sei unerwünscht
oder für seine Mitmenschen eine Last. Auch machen sich viele
Erkrankte vor dem Hintergrund ihrer Erkrankung Sorgen um ihre
Zukunft. Dabei können die auftretenden Ängste eher unbestimmt
sein, das heißt, der Betroffene verspürt ein Gefühl
der dauernden Sorge, ohne genau zu wissen, wovor er Angst hat.
Die Angst kann sich aber auch auf bestimmte Dinge beziehen. So
fürchten sich manche Erkrankte davor, unheilbar krank zu
sein, ohne dass es einen wirklichen Anlaß dazu gäbe.
Auch eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt beruhigt
sie nicht. Andere befinden sich in ständiger Sorge, dass
ihren Angehörigen etwas zustoßen könnte. Seltener
kommt es auch zu Angstattacken, bei denen sich die Angst in starken
körperlichen Anzeichen ausdrückt. Der Betroffene leidet
dann zum Beispiel unter Atemnot, Herzrasen oder Schwindel. Diese
körperlichen Symptome können die Angst bis zur Todesangst
steigern.
Körperliche Beschwerden:
Eine Depression kann sich auch in körperlichen,
sogenannten somatischen Anzeichen äußern. Betroffene
klagen über Schmerzen und Beschwerden, für die der Arzt
keine körperliche (organische) Ursache finden kann. Dabei
können die unterschiedlichsten Körperteile und Organe
betroffen sein: Manche haben ganz isoliert Schmerzen z.B. im Schulter-Arm-Gürtel
oder Kopfschmerzen. Oder es kommt zu Störungen im Magen-Darm-Bereich
oder zu Überempfindlichkeiten der Haut. Andere klagen über
Herzschmerzen oder über ein Gefühl der Enge in der Brust,
Appetitstörung mit Gewichtsverlust, Libidoverlust, schnelle
Ermüdung.
Verändertes Verhalten:
Die Patienten vermeiden soziale Kontakte, stellen
Hobbys ein, können ihre Arbeit nicht mehr bewältigen
und ziehen sich ins Bett zurück. Die Mimik und Gestik ist
bei vielen Patienten wie erstarrt, die Stimme leise und monoton.
Einige Patienten laufen rastlos, verzweifelt und wie getrieben
hin und her (agitierte Depression).
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5. Was bedeutet Suizidgefahr?
Viele Depressive fühlen sich nutzlos oder schämen
sich für Ereignisse, die anderen Menschen gar nicht aufgefallen
sind. Dabei entwickeln sie häufig ein Gefühl der eigenen
Wert- und Nutzlosigkeit. Sie sehen in ihrem Leben keinen Sinn mehr
und wünschen sich häufig, dass sie einfach nicht mehr
existierten. In einer solchen Situation erscheint dem Betroffenen
oft der eigene Tod als einziger Ausweg.
Diese Selbstmordgefahr, die der Mediziner Suizidgefahr
nennt, ist eine häufige Begleiterscheinung einer Depression.
Sie ist ein hohes Risiko für den Patienten.
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6. Depression und verschiedene
Faktoren
6.1 Depression und
Geschlecht
Frauen erkranken zwei- bis dreimal so oft an einer
Depression wie Männer.
Bei der Depression im Rahmen einer bipolaren affektiven
Erkrankung gibt es übrigens keinen Geschlechterunterschied.
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6.2 Depression und Alter
Altern geht mit zahlreichen Verlusterlebnissen einher,
etwa dem Verlust der körperlichen, manchmal auch der geistigen
Leistungsfähigkeit, dem Verlust des Lebenspartners, des Einflusses
im beruflichen und sozialen Bereich, oft auch dem Verlust der eigenen
Wohnung.
Man könnte deshalb erwarten, dass alte Menschen
deutlich häufiger an Depressionen erkranken. Zumindest bei
den schweren Depressionen gibt es jedoch für diese Vermutung
keine überzeugenden Belege.
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6.3 Depression und Kindheit
und Jugend
Vor der Pubertät gibt es keinen deutlichen
Unterschied in der Depressionshäufigkeit zwischen Mädchen
und Jungen. Nach der Pubertät sind jedoch wesentlich mehr Mädchen
als Jungen depressiv.
Jugendliche machen während ihres Reifeprozesses
zahlreiche neue Erfahrungen: Verliebtsein, Trennung, Ablösung
vom Elternhaus. Dies alles bringt eine gewisse Verunsicherung mit
sich, die wiederum Depressionen und/oder Suizidgedanken auslösen
könnte.
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6.4 Depression
und Veranlagung
Beim Entstehen einer endogenen Depression spielt
auch die Veranlagung eine Rolle.
So zeigen Familienuntersuchungen, dass Verwandte
depressiver Patienten zu mindestens 20% ebenfalls depressiv sind.
Damit tritt die Depression im Familienkreis öfter auf als in
der Allgemeinbevölkerung (5-10%).
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6.5 Depression und Wetter
Trübes Wetter und dunkle verregnete Herbst-Nachmittage
schlagen bei vielen Menschen auf die Stimmung. Bei einigen erhöht
sich saisonsbedingt die Anfälligkeit für depressive Erkrankungen.
Typische Symptome einer saisonsbedingten Depression sind u.a. anhaltende
Müdigkeit, Süßhunger, Gewichtszunahme. Tatsächlich
ist in der kalten Jahreszeit ein Anstieg depressiver Erkrankungen
um etwa 10% zu verzeichnen.
Andererseits wird im Frühling eine erhöhte
Zahl von Suiziden registriert. Eine eindeutige Zuordnung der Faktoren
"schlechtes Wetter" und Depression ist nicht möglich.
Aber selbst wenn man sonniges und warmes Klima als
einen von vielen Faktoren für die unterschiedliche Stimmung
und psychische Gesundheit der Bewohner der europäischen Länder
in Betracht ziehen wollte, müsste die Interdependenz zu anderen
Faktoren wie Mentalität, Tradition, Religiosität, Familiensinn,
Gruppenzusammenhalt und Kommunikationsverhalten mit berücksichtigt
werden. Das "sonnige Gemüt" des Südländers
beispielsweise ist unter Umständen weniger eine direkte Folge
der intensiveren Sonnenbestrahlung als des traditionell intensiveren
Kommunikationsverhaltens in Ländern, in denen mehr "nach
draußen gelebt" wird.
Unabhängig vom Klima spielen in allen europäischen
Ländern auch soziographische Faktoren, wie die Urbanisierung
und die zunehmende Anonymität, eine nicht unbedeutende Rolle.
So sind Suizidversuche in städtischen Gebieten häufiger
als in ländlichen. Nach einer WHO-Studie werden 70% aller Suizidversuche
in Städten unternommen, obwohl weltweit nur etwa 50% der Bevölkerung
in Städten lebt.
Auch Alkoholmissbrauch und Arbeitslosigkeit sind Faktoren, die die
Suizidalität beeinflussen.
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7. Volkskrankheit
Depressive Störungen gehören zu den häufigsten
und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen.
Die Depression ist eine der größten Volkskrankheiten.
Dies wurde sehr eindrücklich durch eine neuere, weltweit durchgeführte
Studie der WHO ("Global burden of disease", Lopez und
Murray, 1996) bestätigt. Die Bedeutung der verschiedenen Volkskrankheiten
wurde mit einem Indikator ermittelt, der die Erkrankungsjahre pro
Bevölkerung berücksichtigt, gewichtet mit der Schwere
der Beeinträchtigung durch die jeweilige Erkrankung. In den
entwickelten Ländern steht hier die unipolare Depression an
erster Stelle, mit weitem Abstand vor allen anderen körperlichen
und psychiatrischen Volkskrankheiten. Hochrechnungen haben zudem
eine in den nächsten Jahren weiter zunehmende Bedeutung der
Depression ergeben.
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