PSYCHOLOGISCHES ZENTRUM
LEIBNITZ, KALSDORF, LIEZEN, BRUCK
Mag. Dr. Inge Unterleitner
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Anorexie (Magersucht)

1. Allgemeines zu Anorexie

2. Was ist eine Anorexie?

3. Anzeichen für Magersucht - Leitsymptome der Anorexia nervosa

3.1 Körperschema-Störung
3.2 Verändertes Essverhalten
3.3 Gewichtsverlust
3.4 Körperliche Veränderungen
3.5 Psychische Veränderungen

4. Wie häufig ist die Erkrankung?

 

 

 

 

 

 





1. Allgemeines zu Anorexie


Wörtlich übersetzt bedeutet Anorexie "Appetitverlust oder -verminderung" - eine irreführende Bezeichnung, da nicht unbedingt der Appetit, sondern in erster Linie das Eßverhalten gestört ist. Der Zusatz "nervosa" weist auf die psychischen Ursachen der Eßstörung hin. Die meisten Mädchen und Frauen und ein wachsender Anteil an Jungen und Männern werden dabei angetrieben von dem Wunsch, schlank zu sein und der Furcht davor, "fett zu sein". Magersüchtige halten sich selbst für fett, unabhängig von ihrem tatsächlichen Gewicht. Meistens erkennen die Magersüchtigen nicht, dass sie bereits untergewichtig sind und fühlen sich immer noch "zu dick". Extrem magersüchtige Personen versuchen immer noch, an bestimmten Körperteilen Gewicht zu verlieren. Anorexie wird gekennzeichnet durch einen signifikanten Gewichtsverlust, hervorgerufen durch extreme Diät. Bei dem Versuch, immer noch mehr Gewicht zu verlieren, vermeiden Magersüchtige die Nahrungsaufnahme bzw. kalorienreiche Nahrung, was im Extremfall bis zum Tode führen kann.

Die Unterscheidung der Anorexie von der anderen bekannten Eßstörung, der Bulimie, ist im Einzelfall oft schwierig. Zwar sind beide Krankheitsbilder jeweils durch typische Merkmale gekennzeichnet (die Anorexie durch starken Gewichtsverlust, die Bulimie durch das Auftreten von Eßanfällen und Maßnahmen zur Gewichtsreduktion z.B. Erbrechen), der Übergang ist jedoch fließend. Bei vielen Patientinnen tritt eine Mischung von Symptomen auf, man spricht dann von einer Bulimanorexie.

Magersüchtige streben für gewöhnlich nach Perfektion und setzen sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Sie genießen das irrige Gefühl, ihren Körper "unter Kontrolle" zu haben, und sehen in der Gewichtsabnahme eine Bestätigung ihrer Leistungen.

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2. Was ist eine Anorexie?

Anorexia nervosa bezeichnet einen selbstverursachten bedeutsamen Gewichtsverlust oder eine unzureichende altersgemäße Gewichtszunahme, die mit der tief verwurzelten Überzeugung einhergeht, trotz Untergewicht zu dick zu sein. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei 14 Jahren. Kernsymptom der Magersucht ist die sogenannte Körperschemastörung: Magersüchtige Patienten überschätzen ihren Körperumfang und halten sich trotz Untergewicht für zu dick.

Definition der Anorexia nervosa nach ICD-10

Körpergewicht mindestens 15% unterhalb der Norm
Der Gewichtsverlust ist selbstverursacht
Körperschemastörung und Überzeugung, zu dick zu sein

Man unterscheidet drei Untergruppen: Bei der restriktiven Anorexia nervosa wird der Gewichtsverlust ausschließlich durch Einschränkung der Nahrungszufuhr und/oder verstärkte körperliche Aktivität erreicht. Die Anorexia nervosa mit zusätzlichen Gewichtsreduktionsmethoden schließt darüber hinaus selbstherbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel- und/oder anderen Medikamentenmissbrauch mit dem Ziel der Gewichtsabnahme ein. Bei der Anorexia nervosa mit bulimischen Attacken werden die Zeiträume eingeschränkter Nahrungszufuhr durch sogenannte Essattacken unterbrochen, bei denen große Mengen an Nahrung verzehrt werden. Eine Gewichtszunahme wird dann durch die bereits beschriebenen gewichtsreduzierenden Methoden vermieden.

Die kindliche Anorexia nervosa beginnt vor Eintritt in die Pubertät und geht mit einem Stillstand oder einer Verzögerung der pubertären Entwicklung und/oder des Wachstums einher.

Der Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt durch Vermeidung von "fettmachenden" Speisen.

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3. Anzeichen für Magersucht - Leitsymptome der Anorexia nervosa

Symptome sind zum Beispiel:

Körpergewicht unter 85% des zu erwartenden Gewichtes
Absichtliche Gewichtsabnahme
Gewichtsphobie
Vermeidung hochkalorischer Speisen
Extrem langsames Essverhalten, Rituale beim Essen
Erbrechen, Abführmittelmissbrauch
Exzessive Gewichtskontrollen
Übertriebene körperliche Aktivität
Mangelnde Krankheitseinsicht
Körperschemastörung

Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, Kreislaufbeschwerden bei niedrigem Blutdruck und Puls, Haarausfall, trockene Haut sind mögliche weitere Symptome.

Anorexie ist eine schwerwiegende Essstörung, bei der sich der Betroffene in einigen Fällen buchstäblich zu Tode hungert. Selbst wenn sie bereits erhebliches Untergewicht aufweisen, halten die Betroffenen sich für fett. Betroffene sind nicht einfach nur dünn. Sie wiegen mindestens 15% weniger als sie sollten.

Die Betroffenen unterziehen sich strengen Diäten, sie fasten oder nehmen nur noch bestimmte, kalorienarme Speisen zu sich, z.B. nur noch Salat. Sie unternehmen übertriebene körperliche Aktivitäten, treiben exzessiv Sport. Viele Patientinnen sind sehr ehrgeizig und leistungsbezogen.

Begleitend leiden viele Betroffene an depressiven Episoden. Stimmungslabilität, selbstverletzendes Verhalten, Zwänge und weitere Verhaltensauffälligkeiten können zusätzlich vorhanden sein.

3.1 Körperschema-Störung

Bei anorektischen Patientinnen kommt es zu einer Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers. Auch wenn sie im Laufe der Erkrankung schon extrem viel Gewicht verloren haben, überschätzen sie ihren Körperumfang und halten sich für zu dick. Die Betroffenen nehmen sich selbst als "zu fett" wahr, was zu einer selbstauferlegten sehr niedrigen Gewichtsschwelle führt. Trotz gegenteiliger Versicherungen des Umfeldes halten die Kranken an ihrer Überzeugung fest. Der Fachausdruck hierfür lautet Körperschemastörung.

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3.2 Verändertes Essverhalten

Infolge der verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers bemühen sich die Betroffenen, ihr vermeintlich zu hohes Gewicht zu reduzieren. Zu diesem Zweck nehmen sie nur geringe Mengen an Nahrung zu sich und vermeiden Lebensmittel, die viele Kalorien enthalten. Manche Patientinnen verweigern zeitweise die Nahrungsaufnahme komplett. Häufig nimmt das Essen einen zentralen Stellenwert im Leben der Betroffenen ein. Sie verwenden viel Energie darauf, Hungergefühle zu unterdrücken oder bereiten mit großem Eifer wahre Festmahle für andere zu, an denen sie aber selbst nicht teilnehmen. In Hinblick auf die Veränderungen des Essverhaltens lassen sich zwei Gruppen von anorektischen Patientinnen unterscheiden: Etwa 50% der Patientinnen halten ausschließlich Diät, bei den anderen treten aber auch bulimische Symptome (Essanfälle und selbst herbeigeführtes Erbrechen) auf. Bei Betroffenen, die zu der letzteren Gruppe gehören, beginnt die Störung meist später, sie haben vor der Erkrankung ein höheres Gewicht, die Körperschema-Störung ist meist stärker ausgeprägt und sie sind häufig depressiver als Patientinnen mit einer rein anorektischen Symptomatik.

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3.3 Gewichtsverlust

Neben der strengen Diät setzen viele Anorektikerinnen zusätzlich Appetitzügler, Abführmittel, selbst verursachtes Erbrechen und sportliche Betätigung ein, um abzunehmen. Durchschnittlich verlieren anorektische Patientinnen 45-50% ihres Ausgangsgewichts. Liegt das Körpergewicht um mindestens 15% niedriger als das Normalgewicht, wird die Diagnose der Anorexie gestellt.

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3.4 Körperliche Veränderungen

Durch den Gewichtsverlusts und die Mangelernährung kann es zu schwerwiegenden körperlichen Schäden kommen. Aufgrund von hormonellen Störungen bleibt die Menstruation meist aus. Bei Beginn der Störung vor der Pubertät wird die körperliche Entwicklung meist stark verzögert. Auch Verlangsamung des Herzschlags, niedriger Blutdruck, Absinken der Körpertemperatur, Hautprobleme, flaumartige Behaarung des Rückens, Muskelschwäche, Haarausfall und Wassereinlagerung im Gewebe können als Folgen der Anorexie auftreten. Der Mineralstoffhaushalt ist in der Regel gestört. Diese körperlichen Befunde werden durch die Mangelernährung verursacht und verschwinden meist vollständig, wenn sich das Essverhalten langfristig normalisiert hat. Durch die konstante Mangelernährung wird der Energieverbrauch herabgesetzt. Infolgedessen führt normale Nahrungsaufnahme unter diesen Umständen kurzfristig zu einer Gewichtszunahme.

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3.5 Psychische Veränderungen

Bei anorektischen Patientinnen steht das beharrliche Streben, dünner zu werden, im Vordergrund. Verbunden damit besteht eine extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Schon eine Zunahme von wenigen Gramm, die aufgrund des gesenkten Energieverbrauchs ja schon nach recht geringer Nahrungsaufnahme folgen kann, löst regelrechte Panik aus. Das führt zu einem erneuten Versuch, das Essverhalten (noch strenger) zu kontrollieren. Die Patientinnen befinden sich also in einem regelrechten Teufelskreis. Häufig zeigen sich bei den Betroffenen auch depressive Symptome und starke Reizbarkeit.

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4. Wie häufig ist die Erkrankung?


Ca. 0,5 bis 1% der heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen leiden an Magersucht. Bei Frauen ist die Erkrankung etwa zehn mal häufiger als bei Männern anzutreffen.

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