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Panikattacken, Angst, Angstzustände
(nach Dr.Hans Morschitzky)
1. Panikstörungen - Generalisierte
Angststörung
1.1 Panikstörungen
1.2 Generalisierte Angststörung
2. Symptomatik der Panikstörung
3. Ängstliche Erwartung
4. Bedürfnis nach Beruhigung
durch andere




1. Panikstörungen
- Generalisierte Angststörung
Angst ist ein Gefühl, das wohl jedem Menschen
bekannt ist. Es ist aber trotzdem sehr schwer, den Begriff der Angst
allgemeingültig zu definieren. Grundsätzlich kann sie
wohl als ein unangenehm empfundenes Gefühl von Bedrohung beschrieben
werden. In diesem Rahmen hat Angst durchaus auch eine nützliche
Funktion, da sie ein Alarmsignal ist, das Aktivitäten zur Beseitigung
einer Gefahr auslösen kann. Nach Beseitigung dieser Bedrohung
sollte auch die Angst verschwinden. Es gibt drei hauptsächliche
Typen von Angst-/Panikstörungen. Es kommt vor, dass Symptome
von mehr als einem Typ Angststörung durchlebt wird. Es könnte
z.B. ein Mensch der unter Panik-Attacken leidet, einige Symptome
von sozialen Phobien aufweisen und/oder einige Symptome von Zwangsverhalten.
1.1 Panikstörungen
Bei dieser Erkrankung treten wiederholt Panikattacken
auf. Unter Panikattacken versteht man das plötzliche Auftreten
intensiver Angst, das nicht durch eine bestimmte Situation ausgelöst
wird. Innerhalb weniger Minuten steigert sich die Angst zu einem
Höhepunkt. Neben psychischen Anzeichen treten auch ausgeprägte
körperliche Symptome wie Herzrasen, Beklemmungsgefühle,
Schwitzen, Atemnot oder Zittern auf. Viele Patienten empfinden deshalb
Todesangst. Häufig entwickelt sich eine Erwartungsangst vor
der nächsten Attacke, auch sozialer Rückzug kann eine
Folge der Panikstörung sein. Die Dauer einer Panikattacke schwankt
von zwei oder drei Minuten bis zu einigen Stunden, in den meisten
Fällen hält sie aber 10 bis 30 Minuten an.
Drei Typen der Panikattacken sind heute bekannt.
Spontane Panikattacken
Diese Art der Panikattacken erleiden Menschen mit
einer Panikstörung. Panikstörung ist die Angst eine spontane
Panikattacke zu bekommen. Diese Art der Attacken kommt spontan ohne
Vorwarnung, tagsüber oder nachts, egal was der Betroffene gerade
macht. Die spontane Panikattacke wird nicht durch ein bestimmtes
Ereignis, eine Situation oder einen Ort ausgelöst. Viele Betroffene
werden durch die Attacken aus dem Schlaf gerissen und meinen einen
Herzinfarkt zu erleiden, sie befürchten sterben zu müssen,
verrückt zu werden, oder die Kontrolle über sich zu verlieren.
Angstbedingte Panikattacken
Diese Art der Panikattacken tritt in Verbindung
mit bestimmten angsteinflössenden Situationen oder Orten auf.
Zum Beispiel:
Menschen mit sozialen Phobien in sozialen Situationen,
das Besuchen von Orten, die in Verbindung mit traumatischen Ereignissen
stehen, die Konfrontation mit einer angstauslösenden Situation.
Situationsbedingte Panikattacken
Menschen die unter einer Panikstörung leiden,
erleben diese Art der Panikattacken. Einige Menschen, die unter
einer Panikstörung leiden, sind dazu prädestiniert, Panikattacken
bei bestimmten Situationen oder an bestimmten Orten zu bekommen,
obwohl Sie keine Angst vor der Situation oder dem Ort selber haben.
Man kann z.B. eine Panikattacke erleiden, während man Auto
fährt. Manchmal bekommt man eine Attacke und ein anderes Mal
nicht. Die Attacke wird aber nicht durch die Angst vor dem Autofahren
selbst verursacht.
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1.2 Generalisierte Angststörung
Hierbei handelt es sich um langanhaltende Angst
über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten vor Ereignissen,
die nicht nur auf bestimmte Situationen oder Objekte begrenzt sind.
Der Patient kann sich nur kurzfristig von dieser Angst ablenken
oder distanzieren.
Es zeigen sich folgende typische Symptome:
Motorische Spannung, die durch Zittern, Muskelanspannung und Ruhelosigkeit
gekennzeichnet ist.
Unkontrollierbare Übererregbarkeit, die sich durch Beklemmungsgefühle,
Schwitzen, Mundtrockenheit und Schwindel äußert.
Übermäßige Wachsamkeit und erhöhte Aufmerksamkeit,
die sich durch ein Gefühl der Anspannung, übermäßige
Schreckhaftigkeit, Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten und Reizbarkeit
bemerkbar macht.
Menschen mit generalisierter Angststörung grübeln
den ganzen Tag vor sich hin, mehrheitlich über Kleinigkeiten
des Alltags nachdenkend, ohne je zu einem konkreten Ergebnis zu
gelangen. Die Entscheidung zu einer bestimmten Bewältigung
eines Problems löst sofort Angst aus, sodass wiederum der Weg
zurück in die Unentschiedenheit des Grübelns gewählt
wird, ohne dass eine vollständige kognitive und emotionale
Bearbeitung einer tatsächlichen oder vermeintlichen Bedrohung
erfolgt. Auf diese Weise wird der Mechanismus der generalisierten
Angststörung aufrechterhalten.
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2. Symptomatik der Panikstörung
Eine Panikattacke wird oft in folgenden oder ähnlichen
Worten geschildert:
"Mir wird plötzlich ganz schwindlig und übel. Meine
Hände werden taub, im linken Arm entsteht ein eigenartiges
Kribbelgefühl, meine Knie werden ganz weich. Ich habe Angst,
umzufallen und ohnmächtig zu werden, dann dazuliegen, und niemand
kommt mir zu Hilfe. Mein Herz beginnt zu rasen, ich spüre einen
Druck auf der Brust und fürchte, dass ich einen Herzinfarkt
bekomme und sterben muss. Mir wird ganz heiß, ich bekomme
Hitzewallungen, das Blut steigt von unten nach oben. Ich beginne
zu schwitzen, auf einmal überfällt mich ein Kälteschauer
am ganzen Körper. Ich beginne zu zittern, am liebsten würde
ich davonlaufen, aber ich fühle mich wie gelähmt. Meine
Kehle schnürt sich zusammen, dass ich keine Luft mehr bekomme.
Ich ringe um Luft, aber es reicht nicht, ich atme noch mehr und
spüre, wie der Druck in meinem Brustkorb ansteigt. Ich bin
dann gar nicht mehr richtig da und glaube, gleich überzuschnappen
und verrückt zu werden. Alles erscheint so unwirklich. Wenn
ich das Ganze überlebe, glaube ich, dass ich in die Psychiatrie
komme. Die Panikattacke dauert etwa eine Viertelstunde. Wenn ich
in dieser Zeit auf meine beiden kleinen Kinder aufpassen muss, denke
ich, wer wird sich um die Kinder kümmern, wenn mir etwas passiert.
Wenn mein Mann in der Nähe ist, beruhige ich mich schneller,
als wenn ich allein bin. Das Erlebnis einer Panikattacke ist so
belastend, dass ich manchmal noch immer nicht sicher bin, ob ich
nicht doch eine körperliche Erkrankung habe, deren Ursache
die Ärzte bisher nicht gefunden haben."
Eine Panikattacke ist eine abgrenzbare Periode intensiver
Angst und starken Unbehagens und besteht aus mehreren, plötzlich
und unerwartet ("wie aus heiterem Himmel"), scheinbar
ohne Ursachen in objektiv ungefährlichen Situationen auftretenden
somatischen und kognitiven Symptomen von subjektiv oft lebensbedrohlichem
Charakter.
Eine Panikattacke als einzelne Episode von intensiver
Angst oder Unbehagen beginnt abrupt, d.h. nicht vorhersagbar, erreicht
innerhalb von einigen Minuten ein Maximum und dauert mindestens
einige Minuten an (nach Forschungsergebnissen durchschnittlich eine
knappe halbe Stunde).
Eine Panikstörung besteht aus wiederholten,
spontan und unerwartet auftretenden Panikattacken. Die Panikattacken
sind nicht auf spezifische Situationen oder besondere Umstände
bezogen, stehen in keinem Zusammenhang mit besonderen Anstrengungen,
gefährlichen oder lebensbedrohlichen Situationen und sind auch
nicht durch eine körperliche oder eine andere psychische Störung
bedingt.
Die Furcht vor einer weiteren, sehr bedrohlich und
nicht kontrollierbar erscheinenden Panikattacke führt oft zu
einer ausgeprägten Erwartungsangst, die das ganze Leben negativ
beeinflusst. Als Folge davon entwickelt sich häufig eine "Platzangst"
(Agoraphobie) mit einer massiven Einschränkung des Bewegungsspielraumes.
Bei einer Panikstörung stehen die körperlichen
Symptome - zumindest anfangs - derart im Vordergrund, dass viele
Betroffene nicht den Eindruck haben, unter einer Angststörung,
sondern unter einer unbekannten körperlichen Störung zu
leiden.
Drei Symptome treten bei Panikattacken besonders
häufig auf:
Herzklopfen/-rasen,
Schwindel/Benommenheit,
Atemnot.
Die Todesangst und die Angst, die Kontrolle zu verlieren
oder verrückt zu werden, sind häufige psychische Reaktionsweisen
auf die bedrohlichen körperlichen Symptome und angstmachenden
Erfahrungen der Entfremdung (Depersonalisation und Derealisation).
Bei unerwarteten Panikattacken zeigen sich häufiger
die Symptome Angst zu sterben, verrückt zu werden oder die
Kontrolle zu verlieren, und Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle
als bei situativ ausgelösten Panikattacken. Diese Symptome
sowie Atemnot, Schwindel-, Schwäche- und Unwirklichkeitsgefühle
werden mehr von Menschen mit Panikattacken als von Personen mit
anderen Angststörungen berichtet.
Menschen mit einer Panikstörung haben neben
unerwarteten (spontanen, nicht ausgelösten) Panikattacken oft
auch situationsgebundene und/oder situationsbegünstigte Panikattacken
(letztere in häufigerem Ausmaß). Situationsgebundene
Panikattacken zeigen dasselbe Erscheinungsbild wie spontane Angstanfälle.
Die erste Panikattacke stellt meist ein so intensives,
existentiell bedrohliches und traumarisierendes Erlebnis dar, dass
aufgrund der Erwartungsangst ein umfangreiches Vermeidungsverhalten
entsteht. Sie tritt meistens außer Haus auf, weshalb sich
oft mehr oder weniger rasch eine Agoraphobie entwickelt. In vielen
Fällen besteht daher eine Agoraphobie mit Panikstörung.
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3. Ängstliche Erwartung
Die Erwartungsangst ("Angst vor der Angst",
d.h. die Angst vor den körperlichen Symptomen) wird oft zur
Hauptursache für eine massive Beeinträchtigung des allgemeinen
Funktionsniveaus. Sie kann sich in zwei Formen äußern:
Erwartungsangst hinsichtlich typischer oder atypischer Paniksymptome,
ständige generelle Alarmbereitschaft, verbunden mit dem Gefühl
der Unsicherheit, der Unfähigkeit oder der Bedrohung der
physischen bzw. psychischen Integrität.
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4. Bedürfnis nach
Beruhigung durch andere
Menschen mit Panikstörung und Agoraphobie verlassen
sich aufgrund ihrer Unsicherheit und Angst gerne auf die Hilfe anderer,
weshalb sie rasch davon abhängig werden.
Abergläubische Verhaltensweisen (z.B. bestimmte
Gegenstände als Talisman) werden dann eingesetzt, wenn das
Vertrauen in die eigenen Kräfte fehlt.
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